Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Finest Spirits 2014 in München


Vergangenes Wochenende fand in München die alljährliche Finest Spirits statt. Unter dem Motto "Home Bar Essentials“ gab es eine fast unüberschaubare Menge an Produkten auf knapp 5000m² zu erkunden. Zwischen alten Straßenbahnen und anderen Schienenfahrzeugen im MVG-Museum positionierten sich große Spirituosenimporteure, Bars und Brennereien um ihr Warenangebot dem interessierte Publikum näher zu bringen.
Und die Vergrößerung der Fläche machte sich sofort bemerkbar! Trotz einer hohen Besucheranzahl war es möglich überall sehr schnell an die einzelnen Stände zu kommen und bei Interesse mit dem Ausstellern zu reden - es sei den die Liveband hat wieder auf der Bühne ,in der Mitte der Halle, losgelegt und alles übertönt. Eine schöne Idee aber in meinen Augen nicht sinnvoll auf einer Messe. Angenehmer waren hier schon die lokalen Produkte aus dem GSA-Bereich welche mit einer überraschenden Vielzahl vorhanden waren. Hier konnte man alles vom Obstbrand, über den Gin bis hin zum Rum finden - was dabei sinnvoll ist und nicht möchte ich demnächst separat behandeln. Angefangen als Whisky-Messe ist die Finest Spirits immer noch auf diesen Schwerpunkt ausgelegt auch wenn man mittlerweile sämtliche Spirituosen in großer Anzahl vorfindet. Eine fantastische Entwicklung für Nicht-Cocktailnerds um den genussvollen Horizont zu erweitern - für die Nerds ist diese Evolution natürlich nicht minder interessant. Bedenkt man das vor zwei Jahren (mein letzter Besuch auf der Finest Spirits) neben Whisky nur wenige Obstbrände und vereinzelte Rumflaschen vorzufinden waren ist dies ein enormer Fortschritt! Wenn die Messe weiterhin mit einem solchen Tempo wächst steht sie dem Barconvent Berlin in nichts Nahe, von den Vorträgen, Seminaren, ect. einmal abgesehen. Natürlich muss an dieser Stelle erwähnt werden das der BCB eine Fachmesse ist und die FS eine Endverbraucherausstellung.
Ich komme nicht umher meine persönlichen Neuentdeckungen kurz aufzuführen den davon gab es einige: Zunächst einmal das Whiskeysortiment aus dem Hause Koval welches aus fünf Produkten besteht. Ein ungereifter Roggenbrand macht dabei den Anfang. Etwas bissig und kantig aber ganz klar ein Whiskey. Solche "White Dogs" finde ich äußerst spannend für die Bar und hoffe das in Zukunft mehr Hersteller diese markanten Tropfen  zum Verkauf anbieten. Geradezu sanft und weich präsentiert sich dagegen der Koval Millet mit einer dezenten Süße. Dieser Tropfen wurde aus Hirse gewonnen und ist somit einzigartig. Ein netter und leichter Sipping-Whisky der sich dadurch sehr von andern unterscheidet. Komplexer und damit anspruchsvoller ist dagegen der Koval "Four Grain" bestehent aus Gerste, Roggen, Hafer und Weizen. In meinen Augen das beste Produkt aus der Reihe. Die anderen beiden Produkte aus dem Hause Koval erschienen mir zu  belanglos unter der großen Konkurrenz.
Aus der selben Destillerie stammt im Übrigen auch der Sylvan Gin welcher mich wirklich beeindruckt hat. Ein trockener Gin mit grasiger Note der am Gaumen wunderbar pfeffrig und kräutrig daherkommt ohne scharf zu sein. Weiterhin konnte mich unter der großen Ginauswahl auf der Messer der Sipsmith V.J.O.P. in seinen Bann ziehen. Ein wuchtiges Wacholderprodukt welches durch seine  57,7% mächtig gegen die ganzen leichten Artverwandten antritt. Beide Gins sollten sich Liebhaber dieser Spirituose einmal genauer ansehen - es lohnt sich!
Auf dem Rumsektor konnte ich beim Berliner Rum Depot meine Highlights der Messe ausfindig machen. Den Anfang machte der 18-jährige Origenes aus Panama. Dieser Brand gefällt durch Aromen von würzigen Früchten und Karamell besitzt aber trotz seines hohen Alters noch keine alles überlagernde Holztöne welche das Geschmacksprofil zu eintönig wirken lassen. Das ist bei dem 30-jährigen Origenes bedauerlicherweise eingetreten. Leider sind beide Rums relativ teuer. Als eine Fruchtbombe entpuppte sich ein Rum Depot Eigenimport in Form eines zwölfjährigen Singel-Caskstrengh Rums aus der Dominikanischen Republik. Mit massiven 65% zwar kein Leichtgewicht aber ein äußerst spannendes Produkt das ein jeder Rumliebhaber probieren sollte. Zu einem sehr attraktiven Preis hat es auch gleich eine Flasche in meine Heimbar geschafft.
Ich freue mich bereits auf meinen Besuch auf der Finest Spirits 2015 und hoffe das ich es dann schaffe zwei statt nur einen Tag dort verbringen zu können. Die Ausstellung ist mittlerweile groß genug geworden das man sie auf einmal nicht mehr mit ausreichender Zeit genießen kann.

Dienstag, 18. Februar 2014

Made in GSA 2014 - Die Gewinner


 
Das Finale des Cocktailwettbewerbs Made in GSA wurde am 17. Februar 2014 in der Münchner Cortiina Bar unter den kritischen wie fachkundigen Augen und Gaumen der Jury ausgetragen. Es wurde geschüttelt, gerührt, gemixt, dekoriert und degustiert. Am Ende konnte André Pintz die Branchengrößen Yared Hagos (G), Markus Blattner (S), Erich Wassicek (A) und den Münchner Sternekoch Tohru Nakamura mit seinen Drinks überzeugen. André Pintz wird im Juli als Botschafter von Made in GSA zum Cocktail Festival „Tales of the Cocktail“ nach New Orleans reisen.
Angetreten waren insgesamt 13 Finalisten die sich zuvor mit zwei Rezepten zu einem Long- und einem Short-Drink und den dazu passenden Geschichten aus insgesamt 166 Rezepturen hervorgetan hatten. Für alle galt die Voraussetzung, hauptsächlich auf regionale Zutaten zurückzugreifen; also Zutaten, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz hergestellt werden.
Das beste Händchen beim Kreieren und Präsentieren seiner Cocktails vor der Jury hatte schließlich André Pintz. Er ist Bartender im Steigenberger Grandhotel Handelshof in Leipzig. Zweiter wurde der Österreicher Hubert Peter mit seinen Drinks. Er ist Bartender in der Wiener Bar „Die Au“. Den dritten Platz belegen die Kreationen von Marian Krause aus der Spirits Bar in Köln.
Neu in diesem Jahr ist die Einführung einer wechselnden Sonderkategorie, die bei der Competition am 17. Februar ganz im Zeichen von „Vodka & Korn“ stand. Im Vorfeld konnten sich vier Finalisten mit ihren Rezeptideen rund um diese beiden Spirituosen qualifizieren. Besonders Christian Kern, Bartender in der Berliner Saphire Martini Lounge, konnte mit seinem Drink „Peat Bog Punch“ zeigen, wie vielseitig Vodka und Korn sein können.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Arnaud´s Special Cocktail


Es ist noch nicht lange her als ich über den Rob Roy geschrieben habe. Das Witzige daran ist das ich das nicht vor hatte. Der Artikel sollte sich von Beginn an um den Arnaud´s Special Cocktail drehen. Es war aber nicht möglich etwas über dieses relativ unbekannte Mischgetränk zu schreiben ohne die Vorgeschichte des Rob Roy zu kennen. Dem entsprechend ist auch der Arnaud´s nicht weit davon entfernt wenn man das Rezept betrachtet. Wenn der Rob Roy der Bruder des Manhattan ist könnte man den Arnaulds als Vetter ersten Grades bezeichnen. Ich bitte jeden als erstes die Geschichte des Rob Roys zu lesen um später die Zusammenhänge zu erkennen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Der Wermut wird lediglich durch die gleiche Menge Dubonnet ersetzt. Dieser Weinaperitif ist im Vergleich zu einem Wermut weniger kräuterbetont, erscheint etwas süßer mit mehr Gewicht auf dem Basiswein. Deshalb kann in diesem Rezept auch auf die geringe Zugabe von Tripel Sec (siehe den Rob Roy Beitrag) verzichtet werden. Anstelle des Wermutkrauts findet vor allem Chinarinde Verwendung in dem 1846 von Joseph Dubonnet erfundenen Aperitivwein. Es handelt sich demnach um einen roten Quinquina.
 
Arnauld´s Special Cocktail
6 cl Scotch
3 cl Dubonnet
3 dash Orange Bitters
 
Alle Zutaten auf Eis rühren und in ein gekühltes Cocktailglas abseihen. Je nach vorliebe noch zusätzlich mit einer Zitronen- oder Orangenzeste abspritzen. Geht man nach dem Originalrezept soll der Cocktail nicht gerührt sondern geschüttelt werden. In meinen Augen gibts es aber keinen Grund dazu das zusätzlich entstehende Schmelzwasser des Shakens in kauf zu nehmen.
Benannt ist das Getränk nach Arnaud Cazenave, ein Weinhändler welcher 1918 ein Restaurant in New Orleans eröffnete das ebenfalls seinen Name trug. Beflügelt von der Cocktailwelle welche sich langsam im ganzen Land ausbreitete wurde der Arnaud´s Special in den 1940ern und den 1950ern der Signature Drink des Hauses. Nichts desto trotz ging dieses Getränk im Laufe der Zeit verloren. Erstaunlich das diese wohl recht populäre Mixtur nicht einmal in dem Buch "Famous New Orleans Drinks & How To Mix´em" von Stanley Clisby Arthur zu finden ist, welches von 1937 bis zur heutigen Zeit immer wieder neu aufgelegt wird (aktuell in der 21. Auflage). Neu entdeckt wurde dieser Cocktail in den vergangenen Jahren erst wieder in dem Buch "Bottoms Up" aus dem Jahr 1951. Der Autor, Ted Saucier, und hier schließt sich der Kreis, war seinerseits im New Yorker Waldorf-Astoria Hotel für sämtliche Publikationen verantwortlich!
Es ist bekannt das "Bottoms Up" eine freie Rezeptsammlung ist ohne an eine bestimme Lokalität oder einen bestimmten Ort gebunden zu sein. Man kann also davon ausgehen das es sich bei der Rezeptur für den Arnaud´s Spezial um das Original aus New Orleans handelt das über Umwege wieder nach New York in das Grand Hotel gekommen ist. Zurück an den Ort wo der Ursprungs-Cocktail, der Rob Roy, erfunden wurde.
Eine Cocktail-Historie mit Happy End. Wenn doch nur alles immer so rund laufen würde. Darauf erstmals einen Manhattan... oder einen Rob Roy... oder einen Arnaud´s Special...