Montag, 11. November 2013

Rob Roy - Der Bruder des Manhattan


Fragt man nach alten und klassischen Cocktailrezepten wird man immer wieder den Manhattan als Antwort bekommen. Dieses simple, dennoch komplexe, Mischgetränk ist so bekannt das selbst Laien mit diesem Namen etwas Anfangen können ohne jemals die Kombination aus Rye-Whisky, roten Wermut und Bitters gekostet zu haben. Kein Wunder bedenkt man das die Rezeptur für einen Manhattan schon im "Jerry Thomas Bartender´s Guide" von 1862 zu finden ist - dem ältesten Cocktailbuch. In diesem Beitrag soll es jedoch um den nächsten Verwandten des Manhattans gehen: Der Rob Roy.
Der Rob Roy entspricht der selben Rezeptur wie der Manhattan jedoch findet anstelle eines amerikanischen Rye´s ein Scotch Whisky Verwendung. Entstanden ist dieses Getränk vermutlich 1894 im berühmten New Yorker Waldorf-Astoria Hotel. Laut Internet verdankt der Rob Roy Cocktail seine Entstehung einerseits der Einführung von Dewar's Scotch Whisky in den Staaten, andererseits der im selben Jahr stattfindenden Premiere der gleichnamigen Operette von Reginald De Koven und Harry B. Smith. Benannt ist das Getränk nach einem schottischen Volkshelden, Robert Roy MacGregor, ein Rinderdieb welcher seinen Nachbarn wiederum Schutz vor Rinderdieben verkaufte - die Mafia lässt grüßen...
Natürlich stellt sich bei der Zubereitung die Frage welcher Scotch zu verwenden ist. Alleine die Aromenvielfalt dieser Spirituose ist so groß wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Da der Manhattan ein komplexer und dominanter Drink ist empfehle ich diese Eigenschaften auch im Rob Roy einzubringen. In diesem Fall bietet es sich an den charaktervollen Roggenwhisky durch einen ebenso eigensinnigen Singel Malt aus Islay zu ersetzen. Welcher Islay-Tropfen es schließlich genau wird muss jeder für sich selber entscheiden. Alleine durch diese Auswahl entsteht jedes Mal  ein komplett anderes Trinkvergnügen. Die typischen Rauch- und Torf-Aromen geben dem Cocktail sein besonderes Etwas. Gehen wir davon aus das im Waldorf-Astoria Bar Book von A. S. Crockett aus dem Jahre 1935 das Originalrezept stammt, immerhin scheint hier der Cocktail erfunden zu sein, benötigt es Whisky und italienischen Wermut zu gleichen Teilen, mit einem Dash Orangen Bitters verrührt. Das Deckt sich bestens mit dem Manhattan-Rezept dieser Zeit. Allerdings werden darin noch einige Spritzer Triple Sec Curacao hinzugegeben (laut Jerry Thomas).
Interessant ist eine Mischung die ich in dem Buch "Cocktails - How to mix them" von Robert Jenkins gefunden habe. Das Buch weist zwar keine Jahreszahl auf aber in meinem Exemplar befindet sich ein Stempel eines Pariser Buchhändlers mit dem Datum 03. Jan 1928. Obwohl dieses Cocktailbuch also deutlich jünger ist als das des Hotels ist eine andere Rezeptur niedergeschrieben. Hier finden sich neben Whisky und Wermut auch die 2-3 Dashes Curacao des Manhattans wieder - ein interessanter Zusammenhang ergibt sich. Dafür wird hier anstelle des italienischen Wermutweines ein Französischer verwendet - quasi ein "Dry Rob Roy". Getestet habe ich diese Kombination nicht aber ich vermute das hier der starke Islay-Whisky sehr dominieren wird. Ein Scotch aus den Highlands dürfte eine bessere Entscheidung sein sollte es jemand probieren wollen.
Was die Dekoration bzw. die Zugabe einer Zitruszeste angeht findet man in diversen Quellen verschiedenste Angaben. Mit und ohne Cocktailkirsche, mit Zitronenzeste oder mit einer Orangenzeste. Hier entscheidet der persönliche Geschmack. Zitrone verleiht dem Ganzen eine leichte frische Note hingegen die Orange das Getränk fein abzurunden vermag. Ich habe für mich entschlossen das eine Kombination aus den hier erwähnten Rezepturen einen wunderbaren Cocktail für die Herbst- und Wintermonate ergeben. Die Zugabe des Tripel Sec Curacao ist für mich ein absolutes Muss. Der Likör sorgt für eine milde Süße und Fruchtigkeit welche fantastisch im Rob Roy harmoniert. Auch ändere ich das klassische Verhältnis der beiden Hauptzutaten von 1:1 in das heutzutage gebräuchlichere 2:1 um. Das ist hauptsächlich der hohen Qualität der neuen Whiskys zu verdanken wie auch die Tatsache das dieser als Hauptzutat des Cocktails schließlich auch die Hauptrolle übernehmen darf.
 
Rob Roy
6 cl Islay Scotch
3 cl roter Wermut
3 dash Triple Sec
2 dash Orangenbitters

Alle Zutaten auf Eis verrühren und in ein gekühltes Cocktailglas abseihen. Den Drink wahlweise mit einer Zitronen- oder Orangenzeste abspritzen.

1 Kommentar:

  1. Hallo Christian, vielen Dank für diese interessanten Ausführungen zum Rob Roy Cocktail. Vielleicht kann ich Achim ja mal überreden, das mit einem Ardbeg zu probieren und auszutesten, ob sich der sherrybetonte Uigeadail oder der bourbonbetonte Ten eher eignet.
    Was die historische Figur von Rob Roy anbelangt, hast du dich von der deutschsprachigen Wikipedia-Seite in die Irre führen lassen. Rob Roy hatte die Jakobiter unterstützt, war also Anhänger der schottischen (katholischen) Stuartkönigs James (Jacob) II, der im Kampf gegen das protestantische Königspaar William and Mary unterlag. Die Figur des Rob Roy muss vor dem Hintergrund des politischen Machtkampfs um Schottland gesehen werden, sonst wird man ihm nicht gerecht.
    LG MargareteMarie

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